Blog

Blog

Technische Artikel & Brancheneinblicke

Startseite/Blog/Prozessqualität

VDA 19.2-Partikelprüfung und Prozesskontrolle: Technische Sauberkeit auf der Linie

Veröffentlicht: 2026-10-12 Kategorie: Prozessqualität Lesezeit: ca. 9 Min. Quelle: YF Zhichengjia Technisches Zentrum

Zusammenfassung

Sauberkeit bedeutet nicht „kurz anschauen“, sondern Partikel aus den Gewindetoträumen mit gereinigtem Lösungsmittel vollständig zu extrahieren und danach quantitativ auszuwerten. Der Artikel erläutert die praktische Arbeit nach VDA 19.2: Wahl zwischen drei Prüfverfahren, warum Blankwert und Abtropfversuch Pflicht sind, wie die Gewindetoträume extrahiert werden, und wie die fünfstufige Fertigungs-Reinigung sowie die dreistufige Entstaubung in der Montage umgesetzt werden.

Drei Prüfverfahren im Vergleich

Im System von VDA 19.1 und ISO 16232 ist die Schrauben-Sauberkeit kein „Blickkontrolle", sondern die vollständige Extraktion der Partikel mit gereinigtem Lösungsmittel und anschließende quantitative Auswertung. Nach Sauberkeitsklassen geordnet gibt es drei Standard-Verfahren:

VerfahrenVorgehenErgebnisAnwendungs-Klasse
Gravimetriegereinigtes Lösungsmittel spült Schraubenoberfläche und Gewinde, gesamte Spülflüssigkeit wird aufgefangen, durch 0,45-μm-Filter gegeben, getrocknet und gewogen.Gesamtmasse Rückstand (mg/Stück)allgemeine Maschinenklasse, Schnellprüfung in Serie
Automatische PartikelzählungLaser-Partikelanalysator zählt Partikel in den Größen 2/5/14/50/100 μm und vergleicht automatisch mit den VDA-Grenzwerten.Partikelzählung nach Größen-Klassenmittel- bis hochpräzise, bei Hochspannungs-Schrauben der E-Mobilität Pflicht.
Mikroskopie + REM/EDX100–400-fache Mikroskopie betrachtet die Form, REM/EDX bestimmt das Material.Partikelform + Werkstoffhöchste Sauberkeit an Sicherheits-Bauteilen, unterscheidet leitfähige Metall-Partikel von Beschichtung/Fasern.

Die Bewertung folgt der Doppel-Dimension „Partikelanzahl + Gesamtmasse Verunreinigung". Überschreitet einer der beiden Werte die Grenze, ist die Charge nicht konform. Für die Klasse K0.3 ist zusätzlich die REM/EDX-Analyse verpflichtend, um zwischen leitfähigen Partikeln aus Kupfer, Eisen oder Aluminium und unbedenklichen Fasern zu unterscheiden. Denn für ein Hochspannungssystem ist die Frage „aus welchem Material" ebenso tödlich wie die Frage „wie groß".

Blankwert und Abtropfversuch

Damit die Prüfdaten glaubwürdig sind, erzwingt VDA 19.1 zwei oft übersehene Regeln:

  1. Blankwert-Kalibrierung: Vor der eigentlichen Messung wird die Anlage einmal mit reinem Lösungsmittel durchspült, um den „Hintergrund" von Gerät und Reagenz abzuziehen. Die Verunreinigung des Blankfilters darf 10 % der produktspezifisch zulässigen Gesamtmasse nicht überschreiten; für große metallische Partikel ist die Blankwert-Schärfe sogar zu halbieren. Sonst könnte die Hälfte der gemessenen „Verunreinigung" aus dem Gerät selbst stammen.
  2. Abtropfversuch: Dieselbe Schraube wird sechsmal nacheinander extrahiert und gereinigt. Liegt der Partikel-Anteil des letzten Extraktions-Schritts über 0,1 der kumulierten Gesamtmenge, stecken noch Partikel in den Toträumen, die Messung ist ungültig und das Reinigungsverfahren muss angepasst werden. Diese Regel verhindert die „nur die Oberfläche gewaschen"-Scheingültigkeit.

Wie extrahiert man die Gewindetoträume

Die Verunreinigung einer Schraube ist nicht gleichmäßig verteilt. Gewindegrund, Kopf-Flansch und die Anlagefläche unter der Scheibe sind die Hauptverstecke. Auf diese Bereiche entfallen über 70 % des Gesamtgrenzwerts. Die Extraktion darf also nicht nur den Außendurchfluss spülen, sondern muss auf Gewinde und Sackbohrung abgestimmt sein: Mit Druckluft beaufschlagtes, gereinigtes Lösungsmittel spült den Gewindeeingriff und den Kopf-Übergang mehrfach. Ultraschall unterstützt, wenn nötig, damit im Gewindegrund eingeklemmte Späne und Beschichtungspulver wirklich gelöst werden, bevor sie auf dem Filter landen und gewogen werden.

Fünfstufige Feinstreinigung ab Werk

Sauberkeit lässt sich nicht „hinterher abwischen". Sie muss auf der Linie entstehen. Standard ist eine kontinuierliche, vollautomatische Ultraschall-Hochdruck-Reinigungsanlage in fünf Stufen: Entfetten → Vorwäsche → Feinstwäsche → Reinstwasser-Spülung → Warmluft-Trocknung. Der Hochdruck arbeitet mit 2–5 bar, als Medium wird partikelfreies Isopropanol oder Kohlenwasserstoff-Reiniger gewählt.

StationProzess-Kontrolle
Quell-MinderungKaltfließ-Nahtformung vor der Zerspanung, um Drehspäne zu vermeiden; Gewindewalzen mit integrierter Hochdruck-Sprühlung; Ultraschall-Entgratung mit Unterdruck-Absaugung, Trocken-Schliff mit Ultrafeinstaub ist verboten.
OberflächentechnikVerzinkungs-, Dacromet- und Aluminium-Beschichtungsbäder werden regelmäßig filtriert, Ablöse-Pulver wird kontrolliert; Stapelhöhe begrenzt, um Stoßabrieb zu verhindern; Aluminium und Magnesium werden nicht mit starken Laugen gereinigt.
Reine UmgebungWaschen, Trocknen und Sortieren von K0.3-Teilen laufen in einem Reinraum ISO 6 (Klasse 1000) mit FFU-Laminarströmung; H14-Filter haben einen Wirkungsgrad ≥ 99,995 % bei 0,3 μm.
Transportdurchgehend in verschlossenen Edelstahl-Reinraum-Behältern, das Gewinde wird nicht mit bloßen Händen berührt.

Verpackung und Werks-Kontrolle nach VDA 19.2

Sauber gewaschen ist nur die erste Halbzeit. Verpackung und Montage-Arbeitsplatz bestimmen den Auslieferungszustand beim Kunden:

  • Verpackung: Innerhalb von 1 Minute nach bestandener Reinigung und Trocknung wird antistatisch vakuumiert. Hochspannungs-Schrauben laufen in ESD-Vakuumbeuteln, beutelweise dosiert, mit sauberem Trockenmittel. Auf dem Beutel stehen Sauberkeitsklasse, Prüfnorm, Charge, Prüfdatum und die Frist nach dem Öffnen (üblicherweise ≤ 4 Stunden).
  • Wareneingangsprüfung (VDA 19.2): Jede Charge wird stichprobenweise auf Sauberkeit geprüft. Beschädigte Vakuumbeutel werden abgelehnt. Geöffnet wird nur am Reinraum-Arbeitsplatz, nicht offen in der normalen Fertigung.
  • Personal und Vorrichtungen: Werker tragen Reinraum-Kleidung und -Handschuhe. Steckschlüsseleinsätze und Drehmomentschlüssel werden regelmäßig im Ultraschallbad gereinigt, damit keine Werkzeug-Abriebe in die Aufnahmebohrung fallen.
  • Dreistufige Entstaubung nach der Montage: Vor dem Schließen bläst ein Luftmesser grobe Partikel ab, danach setzt die FFU-Laminarströmung Feinstaub ab, zuletzt neutralisiert eine Ionen-Lanze die Elektrostatik und saugt den Rest Unterdruck-ab. So wird die Sekundärverschmutzung von der Quelle her unterbunden.
Typischer Schmerzpunkt: Zu hohes Anziehdrehmoment oder Fremdkörper auf der Anlagefläche reißen die Schrauben-Beschichtung flächig ab. Die Abriebe landen im Gewindegrund. Bei normalen Strukturteilen darf geblasen und extern im Ultraschallbad nachgereinigt werden. In Hochrisiko-Bereichen wie Batteriepacks und Hochspannungs-Steuergeräten ist die Schraube auszusortieren und durch eine neue zu ersetzen – eine Wiederverwendung ist verboten. Die Gewindebohrung ist tief zu reinigen, ein kurzer Druckluft-Strahl allein reicht nicht.

Häufige Irrtümer und Checkliste

  • Irrtum 1: Was das Auge nicht sieht, ist sauber. Mikrometergroße Metall-Partikel sind völlig transparent. 50 μm Eisenstaub kann mit bloßem Auge nicht erkannt werden.
  • Irrtum 2: Druckluft vor der Montage ersetzt die Reinigung. Druckluft enthält Wasser, Öl und Staub. Sie bläst die Partikel nur tiefer in den Gewindegrund und erfüllt nicht die Extraktions-Forderung nach ISO 16232.
  • Irrtum 3: Nur die Schraube im Blick, die Mitbauteile vergessen. Scheiben-Grate und Bohrungsspäne sind nach der Montage oft die größte Quelle im Gesamtsystem. Hier lohnt sich ein gemeinsamer Reinigungsplan, der Schraube, Unterlegscheibe, Fügepartner und Bohrung in einem Zuge betrachtet und klar verantwortlich zuordnet.

Fazit

Der Kern von VDA 19.2 ist nicht „eine weitere Prüfung", sondern die Sauberkeit von der Werksprüfung bis in die Montage durchzuziehen: Quell-Minderung, fünfstufige Feinstreinigung, Doppelprüfung aus Blankwert und Abtropfversuch, Vakuum-Verpackung, dreistufige Entstaubung im Reinraum. Für Batteriepacks und Hochspannungs-Steuergeräte gilt: Fehlt eine dieser Stationen, wird die saubere Vorarbeit in der Endmontage wieder zunichte gemacht. YF Zhichengjia ist seit 2005 in Shenzhen ansässig und beherrscht Kaltfließpressen, Wärmebehandlung, Oberflächentechnik und die zugehörige Messtechnik. Wir bieten Sauberkeits-Schulungen, Musterprüfungen und Partikel-Schadensanalysen an. Weitere Informationen hält die Technische Dokumentationsbibliothek bereit. Für eine individuelle Fragestellung wenden Sie sich direkt an die Technik-Ingenieure.

VDA 19.2PartikelprüfungBlankwertExtraktionFeinstreinigungReinraum

Telefon: 13560730094
WeChat QR-Code
CN EN ES DE JA RU PT