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Drehmoment-Verfahren: Was Drehmoment, Vorspannung und K-Faktor wirklich miteinander tun

Veröffentlicht: 2026-10-12 Kategorie: Montage-Verfahren Lesezeit: ca. 9 Min. Quelle: YF Zhichengjia Technisches Zentrum

Zusammenfassung

Eine Schraube anzuziehen heißt, über das Drehmoment des Schlüssels die Schraube elastisch zu dehnen und eine axiale Vorspannung aufzubauen. Aber Drehmoment und Vorspannung hängen nicht im Verhältnis 1:1 zusammen. Nach GB/T 16823.2 gilt T = K·F·d, wobei K der bekannte und oft ungeliebte Drehmomentbeiwert ist. Der Artikel erläutert, wohin das Drehmoment fließt, warum K streut und warum das Drehmoment-Verfahren nur eine „ungefähre" Vorspannung liefern kann.

Was passiert beim Anziehen: Drehmoment in axiale Vorspannung

Zuverlässige Schraubverbindungen hängen nicht vom subjektiven Gefühl „wie fest gezogen" ab, sondern vom Aufbau einer stabilen axialen Vorspannung (Kraft F). Die Vorspannung presst die Fügeteile zusammen und sorgt dafür, dass die Verbindung unter Last nicht gleitet, nicht öffnet und sich nicht lockert. Das Problem: Schlüssel und Drehmomentschrauber messen direkt nur das Drehmoment T. Was der Konstrukteur wirklich braucht, ist aber die Vorspannung F. Das Drehmoment-Verfahren baut zwischen beiden Größen eine Umrechnungs-Brücke.

Nach GB/T 16823.2 „Allgemeines Festziehverfahren für Gewindeverbindungselemente" beschreibt die klassische lineare Gleichung diesen Zusammenhang:

T = K · F · d

Darin ist T das aufgebrachte Anziehdrehmoment (N·m), F die erwartete axiale Vorspannung (N), d der Nenndurchmesser des Gewindes (m) und K der Drehmomentbeiwert. Sobald die Ziel-Vorspannung F und der Schraubendurchmesser d bekannt sind, reicht der K-Wert, um das einzustellende Drehmoment rückzurechnen. Genau so entstehen die Einstellwerte in der Werkstatt.

T = K·F·d: Die drei Wege des Drehmoments

Das vom Schlüssel aufgebrachte Drehmoment wird zum größten Teil von Reibung „aufgezehrt". Nur ein kleiner Teil wird in die axiale Zugspannung der Schraube umgewandelt. Die klassische Aufteilung lautet:

Weg des DrehmomentsAnteilWirkung
Reibung an der Auflagefläche (Kopf / Mutter)etwa 50 %überwindet die Reibung zwischen Mutter und Fügeteil.
Reibung im Gewinde (Flanken)etwa 40 %überwindet die Reibung zwischen Innen- und Außengewinde.
Umgewandelt in axiale Vorspannungetwa 10 %dehnt die Schraube elastisch und baut die Klemmkraft auf.

Anders ausgedrückt: Wer 100 N·m aufbringt, bringt vielleicht nur 10 N·m äquivalente Vorspannung in die Verbindung. Genau deshalb ist K im Kern eine „Funktion der Reibung": Je größer die Reibung, desto kleiner die Vorspannung bei gleichem Drehmoment. Ausgeklammert hängt K von Gewinde-Reibwert, Auflage-Reibwert, Steigungswinkel und Flankenwinkel ab. In der Praxis werden all diese Größen zu einem messbaren Beiwert zusammengefasst.

Warum der K-Wert streut: Der Reibwert ist der Schlüssel

K ist keine Konstante, sondern schwankt stark mit dem Oberflächen-Zustand. Die folgende Tabelle zeigt typische K-Bereiche für verschiedene Schmier- und Oberflächen-Zustände (nach GB/T 16823.2 und üblichen Ergebnissen von Drehmoment-Kraft-Versuchen):

Oberflächen-ZustandTypischer K-WertErläuterung
Stahl, ungeschmiert, sauber und trockenetwa 0,20–0,24hohe Reibung, hoher und streuender K-Wert.
verzinkt und chromatiert, üblicher Ölfilmetwa 0,18–0,20auf der Baustelle am häufigsten voreingestellt.
mit Motoröl oder Fett ausreichend geschmiertetwa 0,14–0,16niedrige Reibung, bei gleichem Drehmoment deutlich höhere Vorspannung.
Zink-Flocken-Beschichtung (Dacromet) / PTFE-Überzugetwa 0,10–0,13niedrige Reibung, gute Konstanz.
Edelstahl, ungeschmiertab 0,25neigt zum Fressen, muss gemessen werden.
Kernfakt: Eine Abweichung des Reibwerts um ± 20 % kann die Vorspannung um ± 30 % und mehr verändern. Dieselbe Charge von Schrauben mit der Aufschrift „Drehmoment 20 N·m" kann mit und ohne Ölfilm sehr unterschiedliche Klemmkräfte liefern – das ist die eigentliche Ursache, warum dieselbe Charge unterschiedlich „fest" sitzt.

Einflüsse auf K sind: Art und Dicke der Oberflächenbehandlung, ob und welches Schmiermittel verwendet wird, Rauheit von Gewinde und Auflagefläche, Dicke der Zinkschicht, Bauteil-Temperatur und sogar die Zahl der Wiederholung von Montage und Demontage. Weil sich all diese Faktoren auf der Baustelle kaum streng gleich halten lassen, streut K von Natur aus. In der industriellen Serie trägt man dem Rechnung, indem man die Schmierstoff-Spezifikation und den Oberflächen-Zustand in der Montagevorschrift festschreibt – nur so lassen sich die Reibwerte über Wochen und Monate stabil halten.

Die systembedingte Grenze des Drehmoment-Verfahrens: Vorspannungs-Streuung

Das Drehmoment-Verfahren ist das einfachste und am weitesten verbreitete Montage-Verfahren, aber es hat eine feste Obergrenze: Die Vorspannungs-Genauigkeit wird von der Reibung beherrscht und streut stark. Unter üblichen Fertigungsbedingungen weicht die tatsächlich erreichte Vorspannung bei reiner Drehmoment-Kontrolle um ± 25 % bis ± 40 % vom Sollwert ab. Um die Streckgrenze nicht zu überschreiten, muss die Konstruktion die Ziel-Vorspannung bewusst niedrig ansetzen – üblicherweise nur 60 % bis 70 % der elastischen Vorspannung aus Rp0.2, um Reibungs-Schwankungen abzufedern.

Daraus entsteht ein Widerspruch: Wählt man die Ziel-Vorspannung zu hoch, überschreitet die Charge mit niedriger Reibung die Streckgrenze und die Schraube dehnt sich plastisch oder bricht. Wählt man sie zu niedrig, erreicht die Charge mit hoher Reibung die benötigte Vorspannung nicht und die Verbindung lockert sich. Die systembedingte Schwäche des Drehmoment-Verfahrens ist im Kern: „eine reibungsempfindliche Größe zur Regelung einer elastischen Größe".

Ingenieur-Maßnahmen: So setzt man das Drehmoment-Verfahren richtig ein

Trotz dieser Grenzen lässt sich die Verbindung zuverlässig bauen, wenn man das Verfahren richtig versteht:

  • K-Wert messen, nicht aus Erfahrungstabellen übernehmen: Nach GB/T 16823.3 „Verbindungselemente – Drehmoment-Kraft-Versuch" den K-Wert an der realen Charge messen und darauf das Drehmoment einstellen.
  • Oberflächen-Zustand und Schmierung vereinheitlichen: Für dieselbe Verbindung nur Schrauben derselben Charge und derselben Oberflächenbehandlung einsetzen. Öl oder Ölsorte festlegen, um die Reibungs-Streuung klein zu halten.
  • Drehzahl und Werkzeug steuern: kalibrierte Drehmomentschrauber und Drehmomentschlüssel einsetzen, schnelles Eindrehen mit Erwärmung vermeiden, Werkzeuge regelmäßig nachkalibrieren.
  • Sicherheitsreserve bei der Vorspannung einplanen: Ziel-Vorspannung auf 60–70 % von Rp0.2 festlegen, damit die K-Streuung auch über die gesamte lange Serienlaufzeit hinweg sauber und zuverlässig abgefangen wird.
  • Für sicherheitsrelevante Verbindungen das Verfahren hochstufen: Zylinderkopf, Pleuel, Fahrwerk – hier auf Drehmoment-Winkel-Verfahren oder Streckgrenze-Verfahren umstellen, um die Reibungs-Abhängigkeit von der Wurzel her zu senken. Die Investition in die bessere Messtechnik rechnet sich dort schnell über weniger Ausschuss und weniger Feldausfälle.

Fazit: Das Drehmoment-Verfahren reicht, ist aber nicht präzise

Das Drehmoment-Verfahren folgt T = K·F·d: Etwa 90 % des Drehmoments gehen in Gewinde- und Auflage-Reibung, nur etwa 10 % werden in axiale Vorspannung umgewandelt. K wird von Oberflächen-Zustand und Schmierung bestimmt, seine Streuung erzeugt direkt ± 25 % bis ± 40 % Vorspannungs-Streuung. Das Verfahren richtig einsetzen heißt: K messen, Oberflächen-Zustand vereinheitlichen, Sicherheitsreserve vorhalten. Für hochpräzise, sicherheitsrelevante Verbindungen ist auf das Winkel- oder das Streckgrenze-Verfahren zu wechseln. YF Zhichengjia ist seit 2005 in Shenzhen ansässig und liefert Drehmoment-Kraft-Messdaten und Montage-Beratung nach GB/T 16823. Weitere Informationen hält die Technische Dokumentationsbibliothek bereit. Für eine individuelle Montage-Abschätzung wenden Sie sich direkt an die Technik-Ingenieure.

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