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Wasserstoffversprödung: Ursachen, Prüfung und Vorbeugung – Systematische Maßnahmen gegen verzögerte Brüche

Veröffentlicht: 2026-10-12 Kategorie: Schadensanalyse Lesezeit: ca. 10 Min. Quelle: YF Zhichengjia Technisches Zentrum

Zusammenfassung

Eine 10.9-Schraube wird galvanisch verzinkt, Maßprüfung und Zugversuch sind in Ordnung. Stunden oder Tage nach dem Einbau bricht sie ohne jede Überlast. Das ist Wasserstoffversprödung (Hydrogen Embrittlement, HE) – einer der verborgensten und gefährlichsten Ausfall-Fälle bei hochfesten Befestigern. Der Artikel geht Quellen des Wasserstoffs, empfindliche Werkstoffe, Verzinkungs-Risiko, Einbrenn-Prozess und Prüflogik nach GB/T 3098.17 durch.

Was ist Wasserstoffversprödung: Typische Merkmale des verzögerten Bruchs

Wasserstoffversprödung (Hydrogen Embrittlement, HE) beschreibt das Eindringen von Wasserstoff-Atomen in hochfesten Stahl. Unter Zugspannung sammeln sich die Atome an inneren Fehlstellen, es entstehen Risse, die langsam wachsen – bis zum spröden Bruch. Drei Merkmale treiben den Praktiker zur Verzweiflung: Erstens die Verzögerung – der Bruch erfolgt nicht beim Aufbringen der Last, sondern Stunden, Tage oder sogar Monate nach dem Einbau. Zweitens die niedrige Spannung – die reale Spannung beim Bruch liegt weit unter Streckgrenze und Prüflast. Drittens das ohne Vorzeichen – die Bruchfläche ist eben, fast ohne plastische Verformung, es bricht „plötzlich". Makroskopisch ist der Bruch ein flacher Sprödbruch, mikroskopisch interkristallin oder quasi-spaltbruch-artig, völlig anders als der wabenförmige Bruch bei normaler Zugüberlastung.

Woher kommt der Wasserstoff: Galvanik, Beizen, Einsatz-Umgebung

Bei Raumtemperatur nimmt Stahl an der Luft keinen Wasserstoff auf. Der Wasserstoff stammt aus Prozessen und Umgebungen, die „Wasserstoff zwangsweise freisetzen":

  • Galvanisches Verzinken / Verzinnen: Die kathodische Wasserstoff-Entwicklung ist eine Nebenreaktion der Abscheidung. Wasserstoff-Atome dringen mit der Schicht in den Grundwerkstoff ein – die Nummer-Eins-Quelle bei hochfesten Befestigern.
  • Beizen / Entzundern: Säure reagiert mit Eisen und setzt große Mengen Wasserstoff frei. Fehlt ein Inhibitor oder wird zu lange gebeizt, nimmt der Teil stark Wasserstoff auf.
  • Phosphatieren, Schweißen, kathodischer Korrosionsschutz: Auch hier entsteht an der Oberfläche atomarer Wasserstoff.
  • Einsatz-Umgebung: Feuchte, Meerwasser, kathodisches Schutzpotenzial, H2S-Umgebung (zum Beispiel Öl- und Gasfelder) lassen den Befestiger im Dienst weiter Wasserstoff aufnehmen – das ist die „Umgebungs-Wasserstoffversprödung".
Wichtige Einsicht: Das Risiko hängt nicht davon ab, „was beschichtet wird", sondern davon, „wie viel Wasserstoff aufgenommen wird und wie spröde der Werkstoff ist". Derselbe Verzinkungs-Prozess an einer 4.8-Schraube läuft in der Sache problemlos, an einer 12.9-Schraube kann es zum Chargen-Ausfall kommen.

Wer ist besonders empfindlich: Festigkeitsklasse und Werkstoff-Schwelle

Je höher die Festigkeit und Härte des Werkstoffs, desto empfindlicher reagiert er auf Wasserstoff. Ingenieure ziehen die wichtige Warnlinie bei Zugfestigkeit etwa 1000 MPa und Härte etwa HRC 32 (etwa 300 HV): Befestiger unterhalb dieser Schwelle gelten im Allgemeinen nicht als wasserstoffgefährdet; erreicht oder überschreitet man sie (10.9, 12.9, Härte oft über HRC 39), wird Wasserstoffversprödung zur Pflicht. Zusätzlich erhöhen Einschlüsse im hochfesten legierten Stahl, angelassene Martensit-Gefüge, Oberflächen-Entkohlung und Oberflächen-Fehler die Empfindlichkeit. Genau deshalb müssen Werkzeugschrauben und hochfeste Schrauben nach dem Verzinken unbedingt eingebrannt werden.

Festigkeitsklasse / HärteEmpfindlichkeitMaßnahmen
8.8 und niedriger (≤ etwa 800 MPa)niedrignormale Galvanik, Einbrennen im Allgemeinen nicht Pflicht
10.9 (etwa 1040 MPa+)mittel bis hochnach der Galvanik einbrennen, bei Bedarf Vorspannungs-Versuch
12.9 (≥ 1220 MPa, HRC 39+)hochbevorzugt Zink-Alu-Beschichtung statt Galvanik, Einbrennen Pflicht + Wasserstoff-Stichprobe

GB/T 3098.17: Vorspannungs-Versuch mit parallelen Auflageflächen

GB/T 3098.17-2000 „Mechanische Eigenschaften von Verbindungselementen – Vorspannungs-Versuch zur Prüfung auf Wasserstoffversprödung – Verfahren mit parallelen Auflageflächen" (entspricht ISO 15330) ist der zentrale Standard zur Beurteilung der Wasserstoff-Neigung von Stahl-Befestigern. Die Logik ist direkt: Die Probe wird in einer Spezial-Einspannung mit parallelen Auflageflächen auf eine festgelegte Vorspannung gezogen, gehalten, und dann auf Risse oder Bruch geprüft. Weil Wasserstoffversprödung sowohl „Zugspannung" als auch „Diffusions-Zeit" braucht, legt der Versuch beide Bedingungen gleichzeitig an. Die parallelen Auflageflächen sorgen dafür, dass das Gewinde nicht durch zusätzliches Biegemoment gestört wird – geprüft wird allein das Verhalten des Werkstoffs unter konstanter Zugspannung.

Im Versuch wird nach Produkt-Größe die entsprechende Vorspannung aufgebracht, nach der vorgeschriebenen Zeit entlastet und geprüft. Zeigt die Probe Risse oder Bruch, gilt die Charge als wasserstoffempfindlich und der Prozess als nicht bestanden. Das Verfahren braucht kein teures Rasterelektronenmikroskop, es lässt sich in der Fertigung als Stichprobe einsetzen und ist das allgemeine Mittel zur Validierung von Galvanik und Einbrennen. Wichtig: Der Vorspannungs-Versuch ist ein „Prozess-Freigabe"-Werkzeug – er prüft, ob „diese Charge und dieser Prozess" sicher sind, und legt keine lebenslange Eigenschaft einer Werkstoff-Sorte fest.

Vorbeugung: Einbrennen und Prozess-Steuerung

Weil der Wasserstoff während Galvanik und Beizen in den Werkstoff kommt, setzt die Vorbeugung an zwei Enden an: einerseits „möglichst wenig aufnehmen", andererseits „wieder austreiben". Das Einbrennen (Baking) ist das wirksamste ingenieurmäßige Mittel – unmittelbar nach der Galvanik (üblicherweise innerhalb weniger Stunden) wandern die Teile in den Ofen und werden mehrere Stunden bis über zwanzig Stunden bei 190–220 °C gehalten, damit die eingedrungenen Wasserstoff-Atome herausdiffundieren. Zu hohe Temperatur schadet der Festigkeit, zu kurze Zeit lässt Wasserstoff zurück – das Prozess-Fenster muss nach Festigkeitsklasse und Größe erarbeitet und festgeschrieben werden. Darüber hinaus ist die radikalere Route, die galvanische Verzinkung durch eine Zink-Alu-Beschichtung (Dacromet / Geomet-Art) zu ersetzen: Tauchen + Sintern setzt fast keinen Wasserstoff frei und ist heute der Standard-Korrosionsschutz für hochfeste Befestiger in E-Mobilität und Automobilbau. Dazu kommen optimierte Beiz-Inhibitoren und kürzere Beiz-Zeiten, die die Aufnahme von vornherein senken.

Checkliste: Wasserstoffversprödung vor dem Einbau abwehren

  • Alle Befestiger ab Festigkeitsklasse 10.9 oder über etwa HRC 32 müssen vor der Korrosionsschutz-Entscheidung auf Wasserstoff-Risiko geprüft werden.
  • Hochfeste Teile bevorzugt mit Zink-Alu-Beschichtung oder mechanischem Verzinken; wo Galvanik nötig ist, muss sofort danach eingebrannt werden.
  • Schlüssel-Chargen werden nach GB/T 3098.17 im parallelen Auflage-Versuch als Stichprobe geprüft und erst nach Freigabe ausgeliefert.
  • Bei der Montage übermäßiges Beizen vermeiden, sowie Dauer-Hochspannung unter Schwefel-Feuchte ausschließen.

Wasserstoffversprödung ist eine „im Werkstoff eingeschriebene Zeitbombe": Beim Verlassen des Werks ist alles in Ordnung, der Riss wächst unter der Klemmspannung leise weiter. Es gibt kein Geheimnis, sondern drei Dinge – hochfeste Teile nehmen wenig Wasserstoff auf, werden sofort nach dem Beschichten eingebrannt und nach GB/T 3098.17 im Vorspannungs-Versuch geprüft.

Fazit

Die Beherrschung der Wasserstoffversprödung ist bei hochfesten Befestigern – einschließlich der 12.9-Werkzeugschrauben – ein Schritt, der vor der Auslieferung nicht fehlen darf. YF Zhichengjia unterscheidet im Produktionsprozess von hochfesten Teilen Korrosionsschutz und Einbrennen nach Festigkeitsklasse und validiert die Charge bei Bedarf mit dem Vorspannungs-Versuch nach GB/T 3098.17. Wenn Sie das Wasserstoff-Risiko einer Charge Verzinkung beziehungsweise Dacromet bewerten wollen, kontaktieren Sie die Technik-Ingenieure. Weitere Methoden der Schadensanalyse hält die Technische Dokumentationsbibliothek bereit.

WasserstoffversprödungVerzögerter BruchGB/T 3098.17EinbrennenVerzinkungHochfeste Schraube

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