Blog

Blog

Technische Artikel & Brancheneinblicke

Startseite/Blog/Verbindungsberechnung

Wie die Steifigkeit der Klemmteile die Schraubenkraft beeinflusst: Der Kraftaufteilfaktor erklärt

Veröffentlicht: 2026-05-05 Kategorie: Verbindungsberechnung Lesezeit: ca. 6 Min. Quelle: YF Zhichengjia Technisches Zentrum

Zusammenfassung

Derselbe Schraube bei gleichem Drehmoment kann sich völlig unterschiedlich verhalten, wenn sie in unterschiedliche Teile geklemmt wird. Dieser Artikel erläutert, wie die Klemmteilsteifigkeit über den Kraftaufteilfaktor Φ die Schraubenkraft verändert, und liefert Steifigkeitsvergleiche sowie konstruktive Gegenmaßnahmen für gängige Werkstoffe wie Stahl, Aluminium, Magnesium und Kunststoff.

Ein lange vernachlässigter Parameter

Bei der Auswahl einer Schraube konzentrieren sich viele Konstrukteure auf Festigkeitsklasse, Gewindespezifikation und Anziehdrehmoment, berücksichtigen aber selten die Steifigkeit der Klemmteile selbst. Doch im mechanischen Modell einer Schraubenverbindung ist die Klemmteilsteifigkeit ein ebenso wichtiger Parameter wie die Schraubensteifigkeit – sie bestimmt, wie viel der äußeren Last tatsächlich von der Schraube getragen wird.

Anschaulich lässt sich das so verstehen: Man stelle sich die Schraube als eine Feder und die Klemmteile als eine weitere Feder vor, wobei die beiden Federn parallel die äußere Last umschließen. Steigt die äußere Last, teilen sich die beiden Federn diese im Verhältnis ihrer jeweiligen Steifigkeit. Die steifere Seite trägt mehr Last.

Definition des Kraftaufteilfaktors

Die VDI 2230 beschreibt dieses Aufteilungsverhältnis mit dem Kraftaufteilfaktor Φ:

Φ = KS / (KS + KP)

KS: Schraubensteifigkeit; KP: Klemmteilsteifigkeit

Die von der Schraube zusätzlich getragene Last ist ΔFS = Φ × FA, wobei FA die äußere Last ist. Je kleiner Φ, desto höher der von den Klemmteilen getragene Anteil, desto geringer die Belastung der Schraube und desto günstiger die Verbindung.

Schraubensteifigkeit KS

Die Schraubensteifigkeit hängt von Querschnittsfläche und Elastizitätsmodul innerhalb ihrer Klemmänge ab. Eine Schraube ist eine Serienschaltung – Kopf, Schaft, Gewindeabschnitt und eingreifender Abschnitt sind in Serie geschaltet, und die Gesamtsteifigkeit wird vom „weichsten“ Abschnitt bestimmt. Daher senken das Verringern des Schaftdurchmessers, das Vergrößern der Klemmänge oder die Verwendung einer Schraube mit verjüngtem Schaft (Waisted Shank) alle KS, wodurch die Verbindung flexibler wird und der Spannungsausschlag der Schraube sinkt.

Klemmteilsteifigkeit KP

Die Klemmteilsteifigkeit ist komplexer: Sie ist nicht die Steifigkeit eines festen Werkstoffblocks, sondern die Ersatzsteifigkeit eines konischen (oder zylindrischen) Druckbereichs unter Schraubenkopf und Mutter. Die Ausdehnung dieses Druckbereichs hängt von der Schlüsselweite des Kopfes, der Klemmteil-Dicke und dem Elastizitätsmodul des Werkstoffs ab.

Als Faustregel gilt:

  • Je dicker die Klemmteile, desto größer der Druckbereich und desto höher KP.
  • Je größer die Auflagefläche von Schraubenkopf/Mutter, desto größer der Druckbereich und desto höher KP.
  • Je höher der Elastizitätsmodul des Werkstoffs, desto höher KP.

Der Größenordnungssprung durch Werkstoffunterschiede

Der Elastizitätsmodul unterscheidet sich zwischen den Werkstoffen enorm, was die Größenordnung von Φ unmittelbar bestimmt:

Klemmteil-WerkstoffElastizitätsmodul E (GPa)Verhältnis zu StahlTypischer Φ-Bereich
Stahl200–210100 %0,15–0,30
Gusseisen120–150Etwa 65 %0,20–0,35
Aluminiumlegierung68–72Etwa 34 %0,30–0,45
Magnesiumlegierung42–45Etwa 21 %0,40–0,55
Titanlegierung105–115Etwa 55 %0,25–0,38
Technischer Kunststoff (glasfaserverstärkt)7–12Etwa 5 %0,60–0,80
Technische Auswirkung: die direkte Übertragung einer für Stahlstrukturen gewählten Schraubenabmessung auf Aluminium- oder Magnesiumlegierungs-Strukturen ist ein äußerst häufiger Fehler. Ein Anstieg von Φ von 0,2 auf 0,5 bedeutet, dass die Schraube die 1,5-fache äußere Last trägt; der Spannungsausschlag für Ermüdung wird schrittweise vergrößert, und eine Verbindung mit ursprünglich vorhandener Reserve kann direkt in den Gefährdungsbereich wandern.

Konstruktive Gegenmaßnahmen für drei typische Szenarien

Szenario 1: Stahl–Stahl-Verbindungen (niedriges Φ, günstigster Fall)

Die Klemmteile sind steif, die Schraube ist gering belastet – dies ist der ideale Verbindungszustand. Der Konstruktionsfokus liegt auf ausreichender Vorspannung und der weiteren Verringerung des Spannungsausschlags durch eine vernünftige Klemmänge. Lassen es die Verhältnisse zu, kann die Verwendung einer Durchsteckschraube mit dicker Mutter oder einer Schraube mit verjüngtem Schaft das Ermüdungsverhalten deutlich verbessern.

Szenario 2: Aluminium-/Magnesiumlegierungs-Verbindungen (mittleres Φ, besondere Aufmerksamkeit erforderlich)

Leichtmetallstrukturen sind das am schnellsten wachsende Anwendungsszenario und zugleich der Ort, an dem sich die Probleme häufen. Drei Maßnahmen sind am wirkungsvollsten:

  1. Auflagefläche vergrößern: mit Flanschschrauben oder Unterlegscheiben den Druckkegel erweitern, KP erhöhen und Φ senken.
  2. Die obere Vorspannung begrenzen: der zulässige Kontaktdruck im Leichtmetall-Druckbereich liegt weit unter dem von Stahl; überhöhte Vorspannung zermalmt die Auflagefläche und beschleunigt stattdessen den Vorspannungsabfall. Fügen Sie bei Bedarf eine Stahlbuchse an der Auflagefläche ein.
  3. Die Gewindeeingriffstiefe vergrößern: die Gewindefestigkeit von Leichtmetall ist gering, daher ist eine längere Eingriffslänge nötig, um die Last auf mehrere Gänge zu verteilen.

Szenario 3: Dünnwand- und Kunststoffteile (Φ nahe 1, höchstes Risiko)

Wenn die Klemmteilsteifigkeit extrem gering ist, trägt die Schraube nahezu die gesamte äußere Last. Die Gegenmaßnahme besteht bei solchen Verbindungen meist darin, die Verbindungsform zu ändern:

  • Wechsel zu Pressverbindungselementen mit großen Auflageflächen oder Einnietmuttern, um eine konzentrierte Last in eine verteilte Last zu wandeln;
  • Metalleinsätze hinzufügen, um lokal einen steifen Druckbereich zu bilden;
  • Federringe oder Wellenringe verwenden, um Verformung aufzufangen und eine stabile Vorspannung zu halten.

Ein praktisches Abschätzverfahren

In der Konzeptphase lässt sich mit folgendem vereinfachten Vorgehen schnell beurteilen, ob eine Verbindung sicher ist:

  1. Den typischen Bereich von Φ anhand des Klemmteil-Werkstoffs nachschlagen;
  2. den von der Schraube getragenen äußeren Lastzuwachs berechnen: ΔFS = Φ × FA;
  3. diesen auf die Vorspannung überlagern, um die maximale Zugbeanspruchung der Schraube zu erhalten: Fmax = FM + ΔFS;
  4. mit der zulässigen Zugkraft der Schraube vergleichen, um den statischen Sicherheitsfaktor zu erhalten;
  5. die Schwankungsamplitude der äußeren Last multipliziert mit Φ als Spannungsausschlag der Schraube ansetzen und mit der Dauerfestigkeit vergleichen.
Faustregel: wenn Φ × FA 30 % von FM übersteigt, trägt die Schraube bereits zu viel äußere Last. Es ist empfehlenswert, die „Erhöhung der Klemmteilsteifigkeit“ gegenüber der „Höherstufung der Schraubenfestigkeit“ zu bevorzugen. Das Höherstufen der Festigkeit erhöht nur die obere Grenze, während das Senken von Φ Ermüdungs-, Gleit- und Streckgrenze-Spielräume gleichzeitig verbessert.

Fazit

Die Klemmteilsteifigkeit bestimmt die Lastverteilung, und die Lastverteilung bestimmt die Schraubenkraft. Wer bei der Auslegung einer Verbindung die Klemmteile als ebenso wichtige lasttragende Körper wie die Schraube behandelt, erhält oft höhere Zuverlässigkeit bei niedrigeren Kosten. Dies gilt besonders für Szenarien mit geringer Steifigkeit wie Leichtmetalle, Dünnwände und Kunststoffteile.

KlemmteilsteifigkeitKraftaufteilfaktorSteifigkeitsberechnungAluminiumlegierungs-VerbindungSchraubenauslegung

Telefon: 13560730094
WeChat QR-Code
CN EN ES DE JA RU PT